Kammer 4

Gedenkkonzert zum 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau

Livestream am 29. April 2020 in der Kammer 4

Konzert

Das ursprünglich aus Anlass des 75. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau in der Kirche Heilig Kreuz geplante Gedenkkonzert der Stadt Dachau „Music for Freedom“ kann aufgrund des weiterhin geltenden Veranstaltungsverbots örtlich und inhaltlich nicht wie geplant am 29. April stattfinden.

Da es der Stadt Dachau und dem am Konzertprojekt beteiligten Jewish Chamber Orchestra Munich und seinem Leiter Daniel Grossmann ein wichtiges Anliegen ist, dennoch mit einem künstlerischen Beitrag an den 75. Jahrestag der Befreiung zu erinnern, wird es am 29. April um 20 Uhr stattdessen einen Stream eines alternativen Konzertprogramms in kleinerer Besetzung in der Kammer 4 geben.

Das Jewish Chamber Orchestra Munich und unser Ensemblemitglied Stefan Merki werden dabei das Melodram „Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke“ des jüdischen Komponisten Viktor Ullmann (1898-1944) aufführen.

Viktor Ullmann wurde 1898 in Teschen/Cieszyn (Österreich-Ungarn, heute Polen) als Sohn einer assimilierten jüdischen Familie geboren. Er wuchs in Wien auf und wurde Schüler von Schönberg und Zemlinsky. Er arbeitete als Komponist, Pianist und Dirigent in Prag und Zürich bevor er 1942 in Theresienstadt interniert wurde. Trotz der schrecklichen Umstände führte er dort sein kompositorisches Schaffen fort. Der „Cornet“ ist die letzte Komposition, die Viktor Ullmann vor seiner Deportation nach Auschwitz fertig stellen konnte, wo er am 18. Oktober 1944 ermordet wurde.

„Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke“ ist die Vertonung einer kurzen Erzählung Rainer Maria Rilkes, in der dieser Begebenheiten und Szenen aus den letzten Tagen eines vermeintlichen Vorfahren, des jungen Fahnenträgers (Cornet) Christoph Rilke, Herr auf Langenau, beschreibt. Vor dem Hintergrund des ersten Türkenkrieges 1663 bis 1664 folgen wir dem Ritt des Cornets durch die Weiten der Puszta, werden Zeugen einer Liebesepisode und erleben schließlich seinen Tod im Gefecht mit dem Gegner.

Für seine Komposition wählte Ullmann aus den insgesamt 28 Textstücken des Originals zwölf Abschnitte aus und gliederte sie in zwei größere Teile. Durch Umstellungen und dramaturgisch geschickte Kürzungen entstand eine durchlaufende, in sich schlüssige und stringente Handlungsfolge. Vor dem Hintergrund der permanenten Bedrohung im Konzentrationslager Theresienstadt verwundert es nicht, dass Ullmann Rilkes dichterische Verklärung seines Helden allenfalls gebrochen wiedergibt.


Am 29. April ab 20 Uhr in der Kammer 4.