Kammer 1

IM DICKICHT DER STÄDTE

VON BERTOLT BRECHT, INSZENIERUNG: CHRISTOPHER RÜPING

Schauspiel

EIN KAMPF, NUR UM DES SPASSES WILLEN: NACH DEM ERFOLG MIT „TROMMELN IN DER NACHT“ INSZENIERT REGISSEUR CHRISTOPHER RÜPING ERNEUT EIN STÜCK VON BERTOLT BRECHT.

Kann man ein Theaterstück schreiben, das sich wie ein Boxkampf anfühlt? Der junge Brecht hat es versucht – und ist bei der Uraufführung in München 1923 krachend gescheitert. Auch mit der zweiten Fassung, die 1927 zur Premiere kam, hatte er noch seine Schwierigkeiten. „Der Philosoph wird sich darin besser zurechtfinden als der Psychologe“, urteilte er selbst. In seinem Stück sollte es um einen Kampf gehen. Aber nicht um einen Kampf wie in den alten Tragödien oder auf den Schlachtfeldern, sondern um einen Kampf, nur des Spaßes an der Sache willen, getrieben von der Leidenschaft für den Sport. Entstanden ist ein inkohärentes Stück, eine Herausforderung – die einen auch heute noch ins Schwitzen bringen kann.
Die beiden Protagonisten, der Holzhändler Shlink und sein Gegenüber George Garga, Angestellter einer Leihbücherei, beginnen einen Kampf. Warum? Keine Ahnung. Wie er endet? Mit dem wohl schönsten Satz Brechts: „Allein sein ist eine gute Sache. Das Chaos ist aufgebraucht. Es war eine gute Zeit.“ Was dazwischen passiert? Beide setzen alles aufs Spiel: Beruf, Reputation, Haus, Familie, Freunde, die Liebe und letztendlich das Leben. Dass der Kampf nicht einer gegen den anderen ist, sondern einer gegen die unendliche Vereinzelung des Menschen, ja gegen die unendliche schicksalhafte Einsamkeit, merken die Protagonisten zu spät – und passen damit leider überraschend gut in unsere Gegenwart.

Nach seiner zum Berliner Theatertreffen eingeladenen Arbeit „Trommeln in der Nacht“ stellt sich Hausregisseur Christopher Rüping wieder dem Frühwerk des Autors Bertolt Brecht.


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Premiere am 25. Januar 2020