Kammer 2

JULIET & ROMEO

Choreografie: Trajal Harrell

Inszenierung: Trajal Harrell

Tanz

In dem 2002 entstandenen Comic „Y: The Last Man“ von Brian K Vaughan und Pia Guerra vernichtet eine Plage alle Träger des Y-Chromosoms: Alle 3,7 Milliarden Männer auf der Erde sterben! Da die überwiegende Mehrzahl der Flugzeug-Piloten männlich ist, startet kein Flugzeug mehr. Die meisten Milliardenvermögen und Ländereien sind plötzlich herrenlos, 85% der Regierungen und 100% der Moscheen, orthodoxen Synagogen und katholischen Kirchen sind auf einmal ohne Leitung. Die Vereinigten Staaten haben keine Bodentruppen mehr, während Israel dank seiner vielen weiblichen Armeeangehörigen zur Weltmacht aufsteigt. Mit den Männern stirbt auch der Rock’n’Roll, The Who, U2 und Radiohead sind Vergangenheit.
Dieser FANTASIE EINER WELT GANZ OHNE MÄNNER stellt der US-amerikanische Choreograf Trajal Harrell das Bild einer ausschließlich von Männern bewohnten Welt entgegen. In seiner ersten Arbeit mit dem Ensemble eines deutschen Stadttheaters wird Harrell an den Kammerspielen ausprobieren, was es heißt, für einen Moment eine reine Männergemeinschaft entstehen zu lassen. Wenn es wirklich nur Männer gäbe, würden sie sich dem steinzeitlichen Pfauengebaren und dem pubertär- sexuellen Kräftemessen überlassen? Oder würde nicht doch ihre MÄNNLICHE ZÄRTLICHKEIT UND STÄRKE, würde nicht vielleicht doch die UTOPISCH-ANTIKE VISION VIRILER LIEBESGEMEINSCHAFTEN das männliche Miteinander prägen? Auf der Grundlage von Shakespeares „Romeo und Julia“ wird „Juliet & Romeo“ ausschließlich von Männern dargestellt.
Harrell ist bekannt als leidenschaftlicher Kämpfer für die individuelle Freiheit und für die Unüberschaubarkeit der Welt. Seine Mittel sind SCHÖNHEIT, GLAMOUR, LÄSSIGKEIT, sein Ausdrucksmittel ist der Tanz. Das berühmte Hammer- Museum in Los Angeles beschreibt Harrells Stil als „bahnbrechend, weil er das große Drama und Gefühl in den Zeitgenössischen Tanz zurückbrachte.“ Tatsächlich durchzieht ein tragischer Grundton Harrells Arbeit, deren wichtigster Bezugspunkt neben dem strengen Geist des frühen Modernen und Postmodernen Tanzes vor allem die New Yorker Voguing-Szene der 60er und 70er Jahre ist. Seit einigen Jahren integriert er auch das japanische Butoh in seine Stücke und arbeitet über die skulpturalen und reliefartigen Eigenschaften des dreidimensionalen Raums. DER VERZWEIFELTE UND BERAUSCHEND SCHÖNE KAMPF UM ANERKENNUNG, den all jene kämpften und nach wie vor kämpfen, die ihr homosexuelles und queeres Sein gleichberechtigt mit anderen Lebensentwürfen leben wollen, ist die Quelle, aus der Harrells Choreografien schöpfen. Wie überleben junge Menschen, die nichts als ihre Liebe leben wollen, in einer von traditioneller Männlichkeit und Gewalt geprägten Welt? Und wie entdecken und behaupten sie ihre Sehnsucht gegen die Verachtung und gegen den Schmerz?

Mit

Benjamin Radjaipour, Cecil Loresand, Damian Rebgetz, Jeremy Nedd, Max Krause, Ondrej Vidlar, Thomas Hauser, Trajal Harrell, William Bartley Cooper

Inszenierung

Trajal Harrell

Choreografie

Trajal Harrell

Bühne

Erik Flatmo

Kostüme

Trajal Harrell

Licht

Stefane Perraud

Musik

Trajal Harrell

Dramaturgie

Katinka Deecke

Uraufführung am 25. Oktober 2017