Kammer 1

DREI SCHWESTERN

VON SUSANNE KENNEDY, NACH ANTON TSCHECHOW

Inszenierung: Susanne Kennedy

Schauspiel

Die drei Schwestern Masja, Olga und Irina träumen sich von der russischen Provinz in ein aufregenderes Leben „nach Moskau!“. Während sich die Gesellschaft im Umbruch befindet, verharren die Schwestern in der Angst vor der eigenen Endlichkeit und der Furcht, dass sich ihr Leben nicht ändern wird. Zukunft bleibt für sie das große Versprechen, obwohl niemand weiß, was sie bringen wird. Seit 1901 wird der Klassiker „Drei Schwestern“ von Tschechow inszeniert und oft als Zeichen der Dekadenz der vorrevolutionären bürgerlichen Gesellschaft interpretiert. Immer wieder werden die Protagonistinnen auf die Bühne gerufen, um zu sehen, wie sie sich sehnen, ihrer Gegenwart entfliehen zu können. „Is this now? – It’s a story that happened yesterday, but I know it’s tomorrow.“
Susanne Kennedy will die Schwestern davon befreien und schlägt einen Perspektivenwechsel vor: Was, wenn die Zeit ein Kreis ist und wir jeden einzelnen Augenblick unseres Lebens immer wieder leben werden? Für Nietzsche bedeutete die Idee der ewigen Wiederkehr, ständig bereit zu sein – die absolute Bejahung. Vielleicht sind Menschen grundsätzlich nicht die Produzenten ihres Schicksals. Vielleicht sind ganz andere Kräfte im Spiel. Wenn wir, Nietzsche folgend, so lebten, als müssten wir das Leben endlos wiederholen, würden wir dann andere Entscheidungen treffen? Weniger beeinflusst von dem Wunsch nach Kontrolle der Zukunft als vielmehr dem Wunsch nach Befreiung?

ACHTUNG: Bei der Vorstellung werden Stroboskopeffekte verwendet. Bei bestimmten Frequenzen können unter Umständen epileptische Anfälle ausgelöst werden.

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Mit

Manuela Clarin, Kristin Elsen, Marie Groothof, Walter Hess, Eva Löbau, Christian Löber, Benjamin Radjaipour, Sibylle Sailer, Anna Maria Sturm

Künstlerische Mitarbeit

Rodrik Biersteker, Richard Janssen

Statisterie

Manuela Clarin, Kristin Elsen, Sibylle Sailer

Video

Rodrik Biersteker

Inszenierung

Susanne Kennedy

Bühne

Lena Newton

Licht

Rainer Casper

Kostüme

Teresa Vergho

Sounddesign

Richard Janssen

Dramaturgie

Valerie Göhring

Premiere am 27. April 2019

pressestimmen

„Ein philosophischer Abend, bildgewaltig, beklemmend und von immenser Sogwirkung. [...] Kennedy aber wiederholt nicht nur den Inhalt dieses Stückes, sondern auch die Form der Wiederholung: Durch das Ritual des Theaterbesuchs, das der Zuschauer immer und immer wieder vollzieht, um sich den Klassiker anzuschauen, hält auch er die Schwestern in der Endlosschleife gefangen. [...] Knapp 90 Minuten verdichten sich so zu präziser Bühnenkunst, halb Installation, halb Performance – mit albtraumhafter Atmosphäre.“ (Süddeutsche Zeitung, Christiane Lutz)

„Friedrich Nietzsches Idee der ewigen Wiederkehr des Gleichen nachspürend, konstruiert Kennedy ein so vielschichtiges Setup, dass das Publikum aus dem Staunen und dem Zucken vor Schmerz und Vergnügen nicht mehr herauskommen.[...] Kennedys mutiges dialektisches Experiment mit dem Bild vom Bild vom Bild, ihre Simulation der Simulation, wird vom Publikum in den Kammerspielen mit einer Applauswelle gefeiert.“ (Frankfurter Rundschau, K. Erik Franzen)

„Wenn wir in dieser Traumwelt dann Roboter agieren sehen, die sich so verzweifelt wie vergeblich mühen, Menschen zu simulieren, entsteht eine Mischung aus umwerfend absurder Komik und herzerweichender Melancholie: eine hochkonzentrierte Tschechow-Essenz sozusagen, die ebenso berauschend wie flüchtig ist. Langer Jubel.“ (Münchner Merkur, Alexander Altmann)

„Kennedy zeigt Short Cuts in einer ewigen Schleife. Im Stil von Tableaux vivants gruppiert sie ihre Untoten um, beleuchtet sie grell, spielt hier und da ein Playback ein, lässt eine Hand nach einer Mücke schlagen, einen Maskenmund sich verziehen, dann: Stromausfall, schwarz und sekundenlanges Dröhnen, gemischt aus undeutlichem Gejammere und fernen Fanfaren, bevor das Ganze sich wiederholt, in anderer Konstellation, umrahmt von einer weiteren, dreidimensionalen Videoprojektion.“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung, Simon Strauss)

„[W]em fiele sie nicht ein: die Sehnsuchtsschleife in der die berühmten „Drei Schwestern“ festhängen und aus der sie sich nicht lösen, weil sie nie an den Sehnsuchtsort gelangen. Doch festgeloopt im immer Gleichen sind nicht nur diese Tschechowfiguren, sondern auch wir, ihre Zuschauer, die sich ihre Geschichte immer wieder erzählen lassen. [...] Entpersonalisiert und manchmal auch verfremdet passt sich die Sprache wieder einmal bestens ein in die bewusst befremdliche Bühnenwelt von Susanne Kennedy, die Menschen als Avatare ihrer selbst auftreten lässt.“ (deutschlandfunk.de, Sven Ricklefs)

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