Kammer 1

LE MAL

CHOREOGRAFIE UND INSZENIERUNG: MARLENE MONTEIRO FREITAS

Tanz

DIE CHOREOGRAFIN MARLENE MONTEIRO FREITAS GEHT IN IHRER ARBEIT MIT DEM ENSEMBLE DER MÜNCHNER KAMMERSPIELE DEM BÖSEN AUF DEN GRUND.

„Le mal“ ist nicht eindeutig zu übersetzen. Mal zeigt es sich als das Böse, das Schlechte, das Unbehagen, mal als Leid, Qual, Mangel oder auch Horror. In den Genealogien antiker Götter, in den Martern eines Hieronymus Bosch, der lustvollen Qual eines de Sade und in Jean Genets Figuren am Rande der Gesellschaft ist das Böse handlungsbestimmende Kraft – und das Theater wird immer wieder zu ihrem Schauplatz. Auch die Gründungsmythen unserer Kultur beschäftigen sich mit dem Bösen als Drama, als Ambivalenz der menschlichen Freiheit. Was liegt ihm zu Grunde? Die Choreografin Marlene Monteiro Freitas begibt sich in dieser Spielzeit auf die Suche nach der Wirklichkeit, einer Phänomenologie des Bösen. Einmal erscheint es als Gefühl, ein anderes Mal als Tatsache oder notwendige Ergänzung. Immer aber ist es Teil von uns selbst.

Marlene Monteiro Freitas wurde auf den Kap Verden geboren und war dort Mitbegründerin und Mitglied der Tanzgruppe Compass. Sie studierte am P.A.R.T.S. in Brüssel, an der E.S.D. und an der Calouste Gulbenkian Foundation in Lissabon, wo sie bis heute lebt. Die szenischen Kunstwerke von Freitas sind opulente, poetische Bilderwelten und zugleich formstrenge und detailgenaue Performances, die vom Karneval auf den Kap Verden ebenso inspiriert sind wie von mythologischen Motiven und mit klugen Referenzen der Hochund Popkultur spielen. An den Kammerspielen war sie bereits mit ihren Arbeiten „Of Ivory and Flesh – Statues also Suffer“ und „Bacantes – Prelude to a Purge“ zu sehen. Nun kommt sie ans Haus, um erstmals mit einem Schauspielensemble eine ihrer referenzreichen und intensiven Performances zu erarbeiten.