Kammer 1

MACBETH

NACH WILLIAM SHAKESPEARE, VON AMIR REZA KOOHESTANI

Inszenierung: Amir Reza Koohestani

Schauspiel

Mit „Macbeth“ inszeniert Amir Reza Koohestani nach „Der Fall Meursault – Eine Gegendarstellung“ und „Die Attentäterin“ zum ersten Mal an den Münchner Kammerspielen ein zentrales Stück des westlichen Theaterkanons. Vor nun über 400 Jahren schrieb Shakespeare die Tragödie um ein Königsmörder-Paar auch als Propagandastück, das die Stellung des damaligen Königs (und damit auch die eigene) bestätigen sollte. Koohestani nimmt dies als Ausgangspunkt einer Reflexion über gegenwärtige Erwartungen an das Theater: Können auch heute durch fiktionale Geschichten politische Machtverhältnisse gestärkt oder hinterfragt werden? Welche Geschichten müssen und welche dürfen erzählt werden? Wie unschuldig oder gefährlich ist die Kunst, wie wirkmächtig sind ihre Erzählungen? In Annäherung an Fragen von politischer Dimension betrachtet Koohestani immer auch deren Konsequenz für die Menschen. Obwohl sie in diesem Gefüge der Macht gefangen sind, müssen sie sich dennoch mit den Konsequenzen der eigenen Taten konfrontieren: unsicher, überzeugt, euphorisch, traumatisiert. In privaten Gesprächen und intimen Momenten erzeugt er ein aktuelles politisches Panorama, welches zugleich den Alltag der Menschen in den Fokus nimmt. „Und wenn wir scheitern?“ – fragt der schlaflose Macbeth seine Frau und Komplizin – „Dann scheitern wir“.



Mit freundlicher Unterstützung des Fördervereins der Münchner Kammerspiele.

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Premiere am 07. Dezember 2018

pressestimmen

„Genau hier setzt das scharfe Messer Koohestanis an: Er orchestriert das Stück im Stück als anarchischen Vier-Sprachen-Chor mit arabischen, deutschen, englischen und Farsi-Elementen, die nicht gegeneinander ausgespielt werden (und nicht selten wunderbar selbstironisch daherkommen). Glänzend gelingt es dem Kammerspiel-Ensemble Matthias Lilienthals, dem sich auch syrische Spieler angeschlossen haben, das Sprachen(des)integrationsgemisch aufzubereiten. Lustvoll konzentriert redet man ins Blaue, trifft aber manchmal ins Schwarze und manchmal weit daneben.“ (Frankfurter Rundschau - K. Erik Franzen)

„Natürlich wirkt es reizvoll, dass diese witzige, leicht boulevardeske Satire aufs Theater immer wieder fließend übergeht in Szenen aus „Macbeth“, die sich die Chaos-Truppe schon erarbeitet hat und die eigentlich recht vielversprechend aussehen - nicht zuletzt dank der herrlich romatischen Videos, die gelegentlich die ganze Bühne optisch fluten und mal ein Waldinneres, mal einen labyrinthischen Prunkpalast als Traumszenerie zeigen. Wie so oft weist das bekannte Muster „Theater über Theater“ freilich auch dieses Mal über die bloße Komödie hinaus. Zum einen weil Koohestani grundsätzlich fragt, was die Kunst mit dem Leben zu tun hat, mit uns, mit unseren konkreten Erfahrungen und Interessen. Und zum anderen, weil die wenigen fragmentarischen „Macbeth“-Passagen, die es auch gibt, manchmal mehr von der Essenz des Stücks andeuten als alle ausgewalzten Mord- und Metzel-Inszenierungen, die man zur Genüge kennt - und die doch bloß unwahres Splatter-Spiel bleiben angesichts der Tatsache, dass (glücklicherweise!) die Wenigsten hierzulande schon einmal einen blutüberströmten Menschen gesehen haben.“ (Münchner Merkur - Alexander Altmann)

„Was Shakespeare 1606 schrieb, war tragisch; was Koohestani inszeniert, ist über weite Strecken komisch, in Persiflagen über den Theaterbetrieb, in Seitenhieben auf Aberglaube, Regietheater, Method Acting oft sogar boulevardesk. Die „King's Men“ im Globe Theater spielten für James I., Koohestani lässt die Frage „Für wen spielen wir?“ extra unbeantwortet. In seinen dichten Inszenierungen, wie an den Kammerspielen zuletzt in zwei Roman-Adaptationen zu erleben, wechselt der iranische Theatermacher Perspektiven, bettet in gesellschaftliche Kontexte, beleuchtet Kehrseiten. Mithilfe von Sprache – und Sprachlosigkeit – dringt er immer wieder vor in eine bedeutungsvolle Welt jenseits der Worte. Auch in Macbeth ist dies ein Thema.“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung - Theresa Grenzmann)

„Es wird viel gelacht an diesem Theaterabend. Koohestanis „Macbeth“-Nachdenkarbeit ist oft ein kluger Spaß und in manchen Momenten sogar wunderschön. Dann jauchzt die Sängerin Pollyester die Originalverse der Shakespearschen Hexen in ein Mikrofon, der Videokünstler Benjamin Krieg taucht die Bühne in einen Rausch aus psychedelischen Farbmustern und Spiralen, die Ausstatterin Mitra Najmabadi lässt ein Bett mit blütenweißen Kissen herabfliegen. Und selbst im Toilettenraum steigt plötzlich magischer weißer Dampf aus den Abortschüsseln. So verweist der Regisseur auf das Surreale, Albtraumhafte des Stoffs, von dem er sagt, es ereigne sich zu großen Teilen „in Macbeths Kopf“. (Spiegel Online - Wolfgang Höbel)


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