Kammer 1

NIRVANAS LAST

INSZENIERUNG: DAMIAN REBGETZ

Schauspiel

NIRVANA STECKEN MITTEN AUF EINER KONZERTTOUR DURCH EUROPA. FRANKREICH, ITALIEN, SPANIEN UND PORTUGAL, DIE SCHWEIZ UND SLOVENIEN HABEN SIE SCHON HINTER SICH. AM 1. MÄRZ 1994 BEGINNT IHRE GASTSPIELREISE DURCH DEUTSCHLAND MIT ZWEI KONZERTEN IN MÜNCHEN.

Viele der Besucher*innen, hartgesottene Fans genauso wie einfach nur Neugierige, haben sich an der Location, einem Hangar auf dem Gelände des stillgelegten Flughafens München-Riem wohl auch deshalb eingefunden, weil sich hartnäckig das Gerücht hält, Nirvana stünden kurz vor der Auflösung. Könnte das hier die letzte Gelegenheit sein, sie jemals wieder auf der Bühne zu erleben? Nicht einmal Nirvana selber wissen, wie historisch dieses Konzert tatsächlich werden soll.

Bassist Krist Novoselić ist prophetisch genug, an diesem Abend immer wieder Sätze wie „Grunge is dead“, „Nirvana are over“ und „Thank you for just being Munich“ in die Ansagen einzustreuen. 20 Minuten nach Konzertbeginn gibt es einen Stromausfall. Sänger und Gitarrist Kurt Cobain hat Bronchitis. Nirvana spielen nicht einmal „Smells Like Teen Spirit“. Dafür interpretiert Cobain eine Coverversion von David Bowies „The Man Who Sold The World“. Der letzte Song, den Nirvana jemals gemeinsam öffentlich gespielt haben werden, trägt den Titel „Heart-Shaped Box“, dargeboten in einer krachenden Version, die den Nihilismus dieses Stücks auf geradezu körperlich schmerzhafte Weise ausagiert. Cobain hat sichtlich Mühe, die höheren Töne zu treffen.
Nach dem Konzert werden alle Termine in Europa abgesagt. Kurt Cobain fliegt nach Rom, um sich mit seiner Ehefrau, Courtney Love, zu treffen. Es folgt ein vergeblicher Selbstmordversuch. Love und Cobain kehren in die Vereinigten Staaten zurück. Einen Monat später, nach seiner Rückkehr aus einer Rehabilitationsanstalt,
wird Cobain am 5. April 1994 in seinem Haus in Seattle, Washington, tot aufgefunden. Er wurde 27 Jahre alt.

In „Nirvanas Last“ stellt der Pianist und Komponist Paul Hankinson gemeinsam mit dem Schauspieler Damian Rebgetz die im 19. Jahrhundert zur Blüte gelangte Tradition des deutschen Kunstlieds und die Songs, die Nirvana zum letzten Mal in München spielten, einander gegenüber. Eine Verneigung vor dem Geist der
Rebellion, ein Requiem auf einen Antihelden, der ein letztes Mal den Aufstand des weißen heterosexuellen
Mannes zelebrierte und exemplarisch zu Grabe trug. Auf den Mythos einer alternativen, antikapitalistischen
Gegenkultur, die Nirvana so erfolgreich machten, dass sie zum neuen Mainstream wurde.

Uraufführung am 24. Oktober 2019