MUFFATHALLE

POLITIK IM FREIEN THEATER: £¥€$

VON ONTROEREND GOED / AUF ENGLISCH, AB 16 JAHREN

Festival

Inmitten kreisförmig angeordneter Spieltische sitzt die Börsenaufsicht. Sie notiert akribisch Gewinne und Verluste. Pro Tisch ernennt ein Croupier bzw. eine Croupière die jeweiligen Spielerinnen und Spieler zu Privatbankiers und fragt sie unverblümt nach vorhandenem Bargeld. Münzen und Scheine werden in bunte Jetons getauscht.

Die Produktion „£¥€$“ versetzt das Publikum in ein interaktives Casino der internationalen Finanzwirtschaft: Jeder Tisch steht für einen fiktiven Staat, dessen ökonomisches Kapital vom Publikum immer wieder neu erwürfelt wird. Wer setzt wie viel? Wessen Bank startet mit welchem Kapital? Wie lässt sich aus Nichts Gewinn machen? Es darf gezockt werden. Der Markt ist offen. Die Logik des Spiels folgt kapitalistischen Regeln und ist folglich auf Gewinnmaximierung aus. Was aber, wenn die Würfel nicht so fallen, wie sie sollten? Kein Problem: neues Spiel, neues Glück. Der Croupier oder die Croupière hat frisches Geld. Noch mal, noch mehr, mehr Kredite, mehr Schuldscheine, immer weiter und weiter, bis zum Crash. Welchen Tisch wird es treffen?

Das belgische Performance-Kollektiv Ontroerend Goed macht aus dem Theaterraum einen Handelsraum, in dem sich ökonomische Spekulationen in ein verführerisches Spiel mit und um Geld verwandeln. Die Komplexität der Transaktionen steigert sich Schritt für Schritt. Die Mechanismen der internationalen Finanzmärkte bleiben für Laien immer zumindest ansatzweise verstehbar. Dass die Gesetze der Geldwirtschaft in einer so spannenden wie unterhaltsamen Spielshow unmittelbar erfahrbar werden, hat die Jury von der Produktion überzeugt. Die Verbindung aus Performance und Casino funktioniert ungewöhnlich gut. Das liegt nicht zuletzt an den charmanten und sachkompetenten Croupiers, die nie um eine Antwort verlegen sind.

Sprachliche Stolpersteine – die Vorstellung findet auf Englisch statt – werden gemeinsam mit den Gästen locker umschifft. Da die Produktion hervorragend recherchiert ist, stecken im Titel Provokation und Mahnung zugleich. „£¥€$“ lässt sich nicht nur als Reihung von Währungen lesen – Pfund, Yen, Euro und Dollar. Sondern auch als „Lies“ (Lügen) oder als „Eyes“ (Augen). Entscheiden Sie selbst. Faites vos jeux!


Im Kontext des Festivals „Politik im Freien Theater“ / 1. bis 11. November 2018


MIT Joeri Smet, Angelo Tijssens, Karolien De Bleser, Samir Veen, Hannah Boer, Aurélie Lannoy, Joeri Heegstra, Britt Bakker, Charlotte De Bruyne, Bastiaan Vandendriessche, Eleonore Van Godtsenhoven, Robin Keyaert, Max Wind, Sjef van Schie, Aaron J Gordon REGIE Alexander Devriendt SCRIPT Joeri Smet, Angelo Tijssens, Karolien De Bleser, Alexander Devriendt & cast TEXT Joeri Smet TECHNISCHE UNTERSTÜTZUNG Babette Poncelet, Iben Stalpaert, Joyce Rijpert (Hospitanz / Intern) KOSTÜME Astrid Peeters MUSIK Johannes Genard
BÜHNE vormen & Nick Mattan DRAMATURGIE Koba Ryckewaert, Zach Hatch, Julie Behaegel (Hospitanz / Intern) PRODUKTIONSASSISTENZ Charlotte Nyota Bischop (Hospitanz) PRODUZENT David Bauwens TOURPLANUNG Karen Van Ginderachter FINANZDIREKTOR Wim Smet

IN KOPRODUKTION MIT Vooruit Kunstencentrum, Ghent, Theatre Royal, Plymouth, Richard Jordan Productions DANK AN Toneelacademie, Maastricht, Khalid Koujili, Maria Dafneros, Miriam Matthys, Tamara Searle, Jeffrey Caen, Ruud Vanderheyden, Bram Billiet, Thomas Dhanens, Bo Marlijnen, Louiza Vande Woestyne MIT UNTERSTÜTZUNG DER Flämischen Gemeinschaft, der Provinz Ostflandern und der Stadt Gent