Kammer 1

THE VACUUM CLEANER

INSZENIERUNG: TOSHIKI OKADA

Schauspiel

WAS PASSIERT, WENN DIE ELTERN DER HIKIKOMORI STERBEN UND NIEMAND MEHR FESTE BEZIEHUNGEN FÜHRT? TOSHIKI OKADA UNTERSUCHT DAS GROSSSTADTLEBEN DES 21. JAHRHUNDERTS.

Es gibt nur wenige Wohnungen und die wenigen sind zu teuer. Die Jobs sind schlecht bezahlt und unsicher. Es
gibt immer mehr ältere Menschen und es fehlt an Pflegepersonal. Toshiki Okada, Spezialist im Untersuchen zeitgenössischer japanischer Lebens- und Arbeitswelten, schreibt ein neues Stück mit dem Titel „The Vacuum Cleaner“, das all diese Umstände miteinbezieht.

Er nimmt als Ausgangspunkt das in Japan als „7040, 8050“ bekannte Phänomen: Immer häufiger wohnen auch vierzig- bis fünfzigjährige Kinder noch bei ihren siebzig- bis achtzigjährigen Eltern. Weil die eigene Wohnung nicht finanzierbar ist, weil Pflege nötig und nicht bezahlbar ist, weil sie Singles geblieben sind. Manchmal auch, weil die Kinder Hikikomori sind, Menschen, die sich freiwillig in ihrer Wohnung oder ihrem Zimmer einschließen und den Kontakt zur Gesellschaft auf ein Minimum reduzieren. Schätzungen zufolge gibt es heute in Japan circa 700.000 Hikikomori über vierzig, was zu der Frage führt, was passiert, wenn deren Eltern sterben: das „2030“-Problem.

Wie genau Toshiki Okada diese Themen in „The Vacuum Cleaner“ verarbeiten wird, ist noch nicht abzusehen. Seine Texte schreibt er zu großen Teilen während der Probenzeit den beteiligten Schauspieler*innen auf den Leib. Was bereits entschieden ist: Es wird ein Haus geben mit dünnen Wänden und drei Stockwerken, in dem das Geräusch des Staubsaugers immer wieder ein wenig Privatsphäre gewährt: So kann ausgesprochen werden, was die anderen nicht hören sollen. Nach „No Sex“, „Nō Theater“, „Hot Pepper, Air Conditioner and The Farewell Speech“ inszeniert Toshiki Okada, einer der wichtigsten Theatermacher Asiens, nun bereits zum vierten Mal an den Kammerspielen. Er hat versprochen, dass es komisch wird.

Uraufführung am 12. Dezember 2019