Kammer 1

TIEFER SCHWEB

EIN AUFFANGBECKEN VON CHRISTOPH MARTHALER

Inszenierung: Christoph Marthaler

Schauspiel

Bisher hatten die Mitarbeiter der zentralen Verwaltungsbehörde der Bodenseeregionen (ZVB) den unerwarteten Anstieg des Antragsvolumens als temporäres Phänomen abgehakt. Stets waren sie ruhig und sachlich geblieben, sogar noch dann, als das beunruhigende Gerücht von einem „Tag X“ in Umlauf geriet. Als dieser schließlich mit offiziellem Datum besiegelt wurde, fand man die Büros der Behörde auf einmal verwaist. Alle Angestellten waren verschwunden, kurzfristig abgetaucht in unbekannter Mission. Oder einfach: „Tiefer Schweb“ – wie man an den Ufern des Bodensees zu sagen pflegt, anlässlich solch rätselhafter Fälle und in Anspielung auf die Bezeichnung des tiefsten und unergründeten Areals des Binnenmeers. Hier nämlich im Dreiländereck, wo die Grenzen Österreichs, der Schweiz und Deutschlands so eng verlaufen, dass man in Zeiten des freien Personenverkehrs innerhalb von Sekunden drei Staaten besuchen konnte, haben sich die Beamten mit ihren Angehörigen an einen geheimen Ort zurückgezogen, um unter Ausschluss der Öffentlichkeit ihre Vorkehrungen zu treffen für den unausweichlich bevorstehenden Moment der Wahrheit.

Christoph Marthaler, der mit seinen eigenwilligen und poetischen Musiktheaterabenden das Publikum für sich einzunehmen weiß, kehrt mit dieser Inszenierung nach vielen Jahren zurück nach München.

Am 12.11. mit tschechischen Übertiteln im Rahmen des Festivals Deutscher Sprache Prag.


Uraufführung am 24. Juni 2017

pressestimmen

„Und so haben die Münchner Kammerspiele mit "Tiefer Schweb" von Christoph Marthaler nun ein Juwel auf dem Spielplan, das viele Zweifler an dem Programm von Intendant Mathias Lilienthal zumindest an ihrem Zweifel zweifeln lassen könnte.“
(Deutschlandfunk, Sven Ricklefs)

„Verdienter Jubel für Marthaler, den verschmitzten Mentalitätsforscher, und seine famosen Akteure“.
(Der Standart, Ronald Pohl)

„Christoph Marthaler schenkt den Kammerspielen mit „Tiefer Schweb“ einen subtilen und zauberhaften Abend über die kranke alte Welt, die blubbernd untergeht. Begeisterter Beifall“.
(Schwäbische, Christiane Wechselberger)

„Da ist es passiert. Als sich Jürg Kienberger, Raphael Clamer und Stefan Merki quer zur Rampe an Heimorgeln aufbauten und einander überbietend eine Wall auf Sound auftürmten und Ueli Jäggi mit einem Schluck Gary-Brooker-Originalstimme "A Whiter Shade of Pale" heraus schmeichelte, da öffneten sich die Herzen, und ich schwör's, es reckten sich Hände im Parkett unwillkürlich nach vorn, und viel fehlte nicht, dass sie sich mit Unterwäsche zum Liebeswurf gefüllt hätten.
Und als Jäggi dann noch den seligen Leonard Cohen vor unseren Ohren auferstehen ließ und also tief, so tief den "Sound of Silence" schnurrte, da war es um uns geschehen. Und ein bis dahin guter Abend wurde ein großer. An großen Abenden ist alles auf erhaben unpassende Weise stimmig, selbst noch die von Annette Paulmann schonungslos geschmetterte "Fischerin vom Bodensee (ist eine schöne Maid, juchhe!)" – direkt im Anschluss an die Classics von Procol Harum, Simon & Garfunkel.“
(Nachtkritik, Christian Rakow)

„Olivia Grigolli und Ueli Jäggi zeigen vor einer Phalanx von drei Elektro-Pianos, dass sie Pop hundertmal cooler bringen können als all die Größen im Olympiastadion.“
(Münchner Merkur, Simone Dattenberger)

„Die Uraufführung eines Projekts des Theaterwundermanns und Skurrilitätenliebhabers sowie seines kongenialen Dramaturgen Malte Ubenauf durften die Münchner Kammerspiele im Schauspielhaus (Kammer 1) erleben. Ein schräg-charmantes Bühnenwunder, zumal Marthaler auf die musikalische Gewitztheit von Jürg Kienberger zählen kann: zwischen Bach und Procol Harum.“
(Münchner Merkur, Simone Dattenberger)