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Vom Kostüm zur Mundmaske

Beatrix Türk, Leiterin der Kostümabteilung der Münchner Kammerspiele, berichtet von neuen Aufgaben und mehr Menschlichkeit in der Krise:

Was machen Sie und Ihre Kolleg*innen im Moment?

Wir nähen Mundmaske für unterschiedliche Einrichtungen. Beispielsweise haben wir schon welche für das Klinikum Haar hergestellt und ausgeliefert. Das sind zwar keine offiziell „medizinischen“ Mundschutze, wie man sie für OPs benutzt, aber sie brauchen die für Besucher*innen oder auch bei der Essensausgabe. Dann nähen wir noch für die Diakonie München und deren stationäre Jugend- und Flüchtlingshilfe. Wir sind auch schon mit anderen Kliniken im Gespräch.

Wie sind Sie auf diese Idee gekommen – oder hat man Sie quasi dazu beauftragt?

Das war meine Initiative. Aber die ursprüngliche Idee hat sich im Kostümleitungs-Netzwerk aufgetan. In diesem bundesweiten Verbund bin ich Mitglied. Und die haben auch gleich schon Schnittmuster für die Mundmaske mitgeschickt. Und Sie müssen sich vorstellen: Wie viele der Mitarbeiter*innen, der quasi stillgelegten Münchner Kammerspiele, haben auch wir als Schneider*innen im Moment effektiv nichts zu tun. Denn unsere Arbeit ist immer direkt mit den Schauspieler*innen, mit der Aufführung verknüpft. Und so habe ich die Geschäftsführung der Münchner Kammerspiele wegen der Aktion gefragt. Einen Tag später kam das OK. Auch der Intendant und der Kulturreferent haben sofort zugestimmt.

Wie genau sieht Ihre Arbeit aus – wo machen Sie das?

Als erstes haben wir weiße Baumwolle bestellt. Die Schnittmuster hatten wir ja bereits – wie gesagt. Und dann nähen wir hier eben in zwei Schichten die Mundmasken. Wir haben hier eine große Schneiderei, einen großen Raum. Trotzdem achten wir auf Abstand unter den Kolleg*innen. Sowohl zeitlicher als auch räumlicher Art. Das heißt: wir arbeiten mit je etwa sechs bis acht Leuten in zwei Schichten von 8.00 bis 14.00 und 14.00 bis 20.00 Uhr.

Und wer genau hilft da jetzt, schneidert?

Nun, ich habe in meiner Abteilung insgesamt 29 Mitarbeiter*innen. Natürlich teils in Teilzeit oder auch Elternzeit. Aber alle die können, helfen. Das sind eben Schneider*innen und sogenannte Ankleider*innen. Dabei teilen sich meine Kolleg*innen die Arbeit selber ein und auf. Konkret sind Sie dabei auf die Idee gekommen, das Ganze in kleine Arbeitsschritte aufzuteilen. Das funktioniert sehr gut.

Wie geht es Ihnen persönlich mit der Krisensituation?

Ich finde man muss in solchen Zeiten einfach immer positiv denken! Und da, wo man helfen kann, sollte man auch zupacken. Es ist gut, dass diese Krise mehr Menschlichkeit hervorruft. Das merkt man ja auch im Alltag. Zum Beispiel hat unser Hausmeister zuhause eben einen Zettel aufgehängt, wo er anbietet Einkäufe oder Apothekengänge zu übernehmen – für die alten Leute bei uns im Haus. Die Leute wollen helfen – und das ist gut so!

Das Gespräch führte Jürgen Liebherr für Wilmagazin - das stadtweite Magazin für städtische Mitarbeiter*innen