René Pollesch

Regie

René Pollesch, geboren 1962 in Friedberg in Hessen, ist Autor und Regisseur. Er studierte Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen bei Andrzej Wirth und Hans-Thies Lehmann. Uraufgeführte Stücke in eigener Regie ab 1998 waren u.a. „Drei hysterische Frauen“ an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, „Superblock“ am Berliner Ensemble und „Heidi Hoh“ am Podewil in Berlin. Seine Praxis als Regisseur und Autor, als jemand, der schreibend tätig ist, indem er Texte produziert und Inhalte ins Spiel bringt, vertraut wesentlich auch auf die Autorschaft, d.h. Formulierung der im Theater versammelten Künstler*innen, allen voran den Schauspieler*innen, Bühnenbildner*innen und Kostümbildner*innen, da nur das autonome Zusammenarbeiten Mehrerer, die Autonomie nicht hermetisch denken, ermöglicht, dass sich das Theater originär formuliert und sich nicht dem Befehl der Alleinherrschaft der Regie über eine Produktion oder gar ein ganzes Verständnis von Theater unterwirft.

Von 2001 bis 2007 war René Pollesch Künstlerischer Leiter des Praters der Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. Die dort entstandene „Prater-Trilogie“ („Stadt als Beute“, „Insourcing des Zuhause – Menschen in Scheiß-Hotels“ und „Sex nach Mae West“) wurde 2002 zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Im selben Jahr wurde er in der Kritikerumfrage des Fachmagazins Theater heute zum besten deutschsprachigen Dramatiker gewählt. René Pollesch inszenierte seine eigenen Stücke u.a. am Staatstheater Stuttgart, am Burgtheater Wien, am Thalia Theater Hamburg, an den Münchner Kammerspielen, am Schauspielhaus Hamburg, am Schauspiel Frankfurt, am Schauspielhaus Zürich, am Deutschen Theater Berlin sowie in Warschau, Stockholm, Tokio, Sofia und São Paulo. Bis 2017 arbeitete René Pollesch fest und u.a. in langjähriger Zusammenarbeit mit dem Bühnenbildner Bert Neumann an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. Seine dort entstandene Inszenierung „Kill your Darlings! Streets of Berladelphia“ wurde 2012 zum Berliner Theatertreffen eingeladen.

An der Volksbühne erfand er neben zahlreichen Inszenierungen auch Serien- und Filmformate wie „24 Stunden sind kein Tag“, „Bad Decisions“ und „Niagara“. René Pollesch erhielt 2001 für „www-slums“ am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg und 2006 für „Cappuccetto Rosso“ (Prater der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz) den Mülheimer Dramatikerpreis und 2007 für „Das purpurne Muttermal“ (Akademietheater Wien) den Nestroy-Theaterpreis für das beste Stück. Für „Fantasma“ (Akademietheater Wien) erhielt er 2009 den Publikumspreis der Mülheimer Theatertage. 2012 wurde René Pollesch mit dem Else-Lasker-Schüler-Dramatikerpreis ausgezeichnet und in die Akademie der Künste Berlin aufgenommen. 2018 erhielt er den Jürgen Bansemer & Ute Nyssen Dramatikerpreis.

René Pollesch ist designierter Intendant der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. In den letzten Jahren inszenierte er regelmäßig am Deutschen Theater Berlin, am Hamburger Schauspielhaus, am Burgtheater Wien und am Schauspielhaus Zürich. Im September 2019 inszenierte er am Friedrichstadtpalast ein Solo mit Fabian Hinrichs und dem Tanzensemble des Hauses: „Glauben an die Möglichkeit der völligen Erneuerung der Welt“. „Passing – it's so easy, was schwer zu machen ist“ ist seine erste Inszenierung an den Münchner Kammerspielen seit 2013.